Relative Solmisation ist eine Methode in der Musik, die die Verhältnisse der Tonhöhen zu einander benennt. Man kann auch sagen, dass Relative Solmisation die Funktionen der Töne bezeichnet. Dafür werden die Silben do, re, mi, fa, so, la und ti benutzt (nicht zu verwechseln mit den italienischen Tonnamen do, re, mi, fa, sol, la und si). Das Prinzip dieser Tonsilben-Methode lautet: Was gleich klingt wird auch gleich benannt.
Hier habe ich in sechs Lektionen die Relative Solmisation erklärt und gebe Beispiele, wie sie gelernt und geübt werden kann. Viel Spaß beim Gucken.
Folge 1 - Einführung in die Relative Solmisation
Folge 2 - "so", "mi" und "la"
Folge 3 - "do" und "re"
Folge 4 - "ti" und "fa"
Folge 5 - Wo ist das "do"?
Folge 6 - Die Zwischentöne
Warum die Silben, reichen "c, d, e, f, g…" nicht aus?
Um es klar zu sagen: Nein, "c, d, e, f, g…" reichen nicht aus. Im Idealfall kennen Sie beides, so wie Sie von Menschen, mit denen Sie verkehren nicht nur deren Namen kennen, sondern auch ihre Funktion. Stellen Sie sich vor Sie kommen in ein Geschäftmeeting und wissen nicht, wer der Geschäftsführer ist und wer der Praktikant. Aber Sie können jeden einzelnen sicher mit seinem Vor- und Zunamen ansprechen. Das könnte peinlich werden.
So wie Sie Menschen zwei Aspekte zuordnen: Erstens seinen Namen und zweitens seine Funktion im jeweiligen gesellschaftlichen Zusammenhang, so haben auch Noten absolute Namen und Funktionen im jeweiligen musikalischen Zusammenhang. Beide Dinge sind wichtig, wobei die Funktion für den musikalischen bzw. gesellschaftlichen Umgang miteinander den höheren Stellenwert hat.
Wenn Sie z.B. sicher vom Blatt singen können ohne Relative Solmisation, dann liegt das wahrscheinlich daran, dass Sie neben den Tonnamen noch eine recht weit reichende musikalische Bildung haben. Die Relative Solmisation bietet hierfür eine solide Basis.
Natürlich geht es auch ohne Relative Solmisation, aber mit ist es langfristig einfacher und nachhaltiger.
Vorteile gegenüber anderen Methoden
Das Singen nach Stufen (1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8) hat den Nachteil, dass erhöhte oder erniedrigte Stufen nicht sinnvoll benannt werden können. In der Relativen Solmisation heißen z.B. die erhöhten 4. und 5. Stufen (wie sie für Moll gebraucht werden) fi und si (anstatt fa und so).
Absolute Solmisation ordnet den Tonsilben feste Tonhöhen zu, so dass ein do immer ein c, cis oder ces ist, ein re immer ein d, dis oder des. Der große Nachteil der absoluten Solmisation ist, dass gleiche musikalische Phänomene – z.B. eine Dur-Tonleiter – anders gesungen werden, wenn sie auf einem anderen Ton beginnt.
Die Ward-Methode benutzt dasselbe Prinzip wie die Relative Solmisation, jedoch andere Handzeichen. Diese unterscheiden die Tonsilben nur durch die Höhe der Armstellung. Die Handzeichen der Relativen Solmisation hingegen drücken die Spannungsverhältnisse der Töne zueinander aus und geben die Möglichkeit alterierte Töne problemlos und sofort verständlich in das System zu integrieren.
Literatur: "do, re, mi… – was ist das?" – Relative Solmisation kompakt und übersichtlich erklärt. Von Axel Chr. Schullz, ISBN 978-3-9809790-3-0, erschienen im GNGP-Verlag 2008, 56 S., 10x16 cm, 5,95 €.
